Der Blick auf die Uhr

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Nimm mal eine Auszeit

Es ist morgens, halb 6 Uhr. Der erste Blick auf die Uhr. Die Nacht war schlaflos. Schlaflos in Eywiller. Die Augen brennen und ich fühle mich gerädert. Heute wird es ein anstrengender Tag. Denn es gibt viel zu tun. Die Nacht war zu kurz und müde bin ich auch noch. Kein Wunder – um diese Uhrzeit. Die Leute stehen Schlange.

  • “Kannst du dir dieses mal kurz anschauen?”
  • “Können wir das machen?”
  • “Hast du morgen Zeit für …?”
  • “Falls du mal fünf Minuten für mich hast…”

Meine Standardantwort: “Ja, schaue ich mir an, sobald ich etwas Luft habe.” Doch Luft ist es, die mir gerade fehlt. Luft zum durchatmen, Luft, mal fünf Minuten Zeit Ruhe zu haben. Stress bin ich gewohnt. Er tut mir gut, solange am Ende etwas Produktives entsteht und man am Abend das Werk sieht, welches man am Tage erledigt hat. Der Blick auf die Uhr ist dabei so etwas wie die Messlatte des Erfolgs. Tagespensum schaffbar?

Bloß nicht stressen lassen

Ich bin die Ruhe in Person. Immer. Nur jetzt gerade nicht. Anderes Thema. Aber sonst immer. Stress ist für mich noch lange nicht gleich Stress. Beruflich habe ich ein gutes Zeitmanegement, bei dem ein Blick auf die Uhr mich nicht in Unruhe versetzt. Am Ende des Tages habe ich meine To-Do-Liste abgearbeitet. Meistens. Und selbst wenn nicht – dann bin ich immer noch schnell. Die meisten sind langsamer.

Beruflicher Stress ist für mich konstruktiv. Wenn die Auftragsliste nur wenige Positionen hat, fange ich gar nicht erst an zu arbeiten. Das Ärmel hochkrempeln muss sich lohnen. Dann bin ich effektiv. Anders ist der Negativstress, den man im Alltag erlebt. Dinge, die negativ belasten. Ein blöder Termin. Das Warten auf einen unerwünschten Besuch. Das Schlangestehen an der Kasse. Die ewige Warterei, wann endlich die Post kommt. Wo bleibt das gelb-grüne La Poste Auto mit meinem sehnsüchtig erwarteten Paket. Der Blick auf die Uhr. Er wird zur Stressprobe.

Meine Armbanduhr hat ein ein Uhrenarmband aus Metall. Unweigerlich wandert meine rechte Hand mit ihren Fingern dorthin und zupft daran. Ich drehe die lose sitzende Armbanduhr an meinem Handgelenk hin und her. So, als ob ich die Zeit beeinflussen will. Vorwärts, Rückwärts. Kann das nicht schneller gehen. Warum verfliegen die Minuten und Stunden zu schnell. Geduld zählt nicht zu meinen Tugenden. Diszipliniertes Durchhalten bei Dingen, auf die ich keine Lust habe genauso wenig. Jetzt habe ich Stress. Negativstress. Jener, den man besser vermeiden sollte. Doch Abschalten ist nicht einfach.

Zurück zur inneren Ruhe

Auf Dauer ist Stress ungesund. Stress kann krank machen. Wichtig ist es, sich eine Auszeit zu gönnen. Erholungsphasen. Nicht irgendwann, sondern dann, wenn sie gebraucht werden. Dabei ist es ganz individuell, was gut tut. Für mich ist es eine gute Tasse Kaffee. Wenn der Blick auf die Uhr zum Stressindikator wird, brauche ich einen Kaffee. Inmitten der Ungeduld. Inmitten von Chaos. Dann komme ich eben zu spät. Wenn die Ungeduld mich plagt oder der Gedanke an einen unerwünschten Besuch mich unter Strom setzt, hilft mein Lieblingsparfüm, um mir meine Ruhe wiederzubringen. Kaffee und Lieblingsduft sind meine kleinen Inseln, auf denen ich einen Erholungsurlaub genießen kann. Für kurze Zeit.

Eine der ersten Fähigkeiten, die wir Menschen im Leben lernen, ist das Lesen der Uhr. Und wenig später hören wir: „Zeit ist Geld“. Der Volksmund muss irren, sonst wären wir zur bitteren Armut verdammt. Wer hat schon Zeit?

Auszeiten sind kein Egoismus

In meinem Umfeld sind die meisten Menschen pflichtbewusst. Keine Schwächen zeigen. Immer cool und gelassen bleiben. Nicht gestresst wirken. Den Zeitplan immer im Hinterkopf. Zeit ist bekanntlich Geld. Trotzdem bewege ich mich in einem Umfeld, in dem starke Nerven gefragt sind. Nur mit starkem Nervenkostüm sind wir die perfekten Dienstleister, die wir sind. Die unsere tadellose Arbeit ausmachen. Schnell. Ohne Fehler. Ohne Rumgeschwafel. Auf den Punkt. Auf den Zeitpunkt.

Daher gehört es in unserer Branche dazu, einfach mal nicht da zu sein. Zwischendrin Dinge zu tun, die gut tun. Auszeiten! Wir, die Kreativen, sind Meister darin. Gerade dieser Tage hat ein Kollege via Facebook ein Bild von sich gepostet. Mit der Fernbedienung in der Hand steuerte er einen Miniatur-Truck durch das Firmenbüro. Ein anderes Mal gibt es eine Showeinlage am Kicker, der ebenfalls zur Büroausstattung gehört. Beim Scrollen über seine Pinnwand finden sich zahlreiche solcher Inseln, die den straffen Terminplan auflockern. Ohne Wenn und Aber.

Der Blick auf die Uhr
Der Blick auf die Uhr

Ein Blick auf die Uhr

Ein Blick auf die Uhr ist nicht das Maß der Dinge. Das Erkennen von Stress ist wichtig. Bevor er sich breit macht. Um rechtzeitig eine kleine Auszeit einzulegen und aufzutanken. Ein Auto legt auch nur mit vollem Tank verlässlich weite Strecken zurück ohne liegen zu bleiben.

Auszeiten sind kein Egoismus, sondern Motorenpflege. Auch, wenn der Blick auf die Uhr niemals vermeidbar ist. Lassen Sie einfach mal Fünfe gerade sein. Setzen Sie Grenzen. Machen Sie es wie ich. Ich trage schon seit zig Jahren keine Armbanduhr mehr. Nur, wenn ich außer Haus muss und unbedingt eine Uhr am Handgelenk brauche.

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Share This Post

Post Comment