Warum es bei uns kein Osterlamm gibt

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Ostern – Tage wie alle anderen?

Vielerorts kommt in der Osterzeit das Osterlamm auf den Tisch. Ein kleines Schäfchen wird geschlachtet und der Verzehr des gebratenen Lamms folgt einer religiösen Tradition. Aus meiner Kindheit kenne ich das Osterlamm als traditionelles Osteressen, auf das sich alle freuten. Ja, so ein zartes Lämmchen schmeckt lecker und ist wirklich ein besonderes Mahl.

Für mich war es nie eine Frage, ob ich meiner Familie Osterlämmer auftische. Niemals wollte ich ein kleines Lamm im Backofen zubereiten und mit Knödeln und Sauerbraten servieren. Ziemlich bigott, wenn man bedenkt, dass ich keine Vegetarierin bin und nicht einmal am Karfreitag zwingend auf Fleisch verzichte.

Warum es bei uns kein Osterlamm gibt
Warum es bei uns kein Osterlamm gibt

Hier schweigen die Lämmer nicht

Heute Morgen kam mein großer Sohn aus seinem Zimmer und sagte spaßhalber, der Osterhase müsse schon ziemlich fleißig sein. Als ich nachfragte, warum, erklärte er mir, dass er hinterm Haus schon den ganzen Morgen Glöckchen wie von der Lindt-Schokolade hören würde. Auf dem riesigen Nachbargrundstück hält man Tiere. Dieser Tage vermeldete mein Tochterkind, dass gerade Lämmer auf die Welt gekommen sind. Süße kleine Babyschafe.

Seitdem ging mir das Thema Osterlamm nicht mehr aus dem Kopf. Wir wohnen nun in einer Region, wo das Osteressen mit ziemlicher Sicherheit sehr traditionell und religiös geprägt ausfallen dürfte. Um uns herum wird es zu Ostern überall Lämmchen geben. Nicht die Menschen hier, sondern wir sind die Attraktion, weil wir nicht religiös und traditionell leben. Weder gehen wir in die Kirche zum Gebet, noch verspeisen wir das traditionelle Osterlamm. Dafür gibt es am Abend einen deftigen Schweinebraten.

Warum ich vor Lämmern Skrupel habe

Manchmal nervt mich das Thema Vegetarismus wirklich. Vegetarier sind häufig radikal und greifen Menschen an, die nicht vegetarisch oder gar vegan leben massiv an. Ich möchte mich nicht rechtfertigen müssen, warum wir Fleisch und tierische Produkte essen. Zumal seit tausenden von Jahren Menschen sich als Mischköstler ernähren und somit Vegetarismus ein brandneuer Trend ist.

Jeder Vegetarier wird nun aus der Haut fahren, wenn ich niederschreibe, dass ich innere Skrupel habe, ein Osterlamm zu kochen, wenngleich es bei uns klassische Osteressen wie Braten, Rouladen und Lende geben wird. Letztlich kostet jeder Fleischkonsum das Leben eines Tieres. Ja, das ist richtig. Ebenso richtig ist, dass Lämmer genauso wie Schweine und Kühe nur deshalb gezüchtet werden, um später als Fleischgericht auf den Tellern der Menschen zu landen. Born to die!

Dennoch ist es für mich ein Unterschied, ob ich einem Lamm, welches frisch auf die Welt gekommen ist, unmittelbar nach der Geburt das Leben nehme, um mir ein besonders gutes Stück Fleisch zu gönnen und meiner Familie ein vollständiges Tier für eine Mahlzeit auf den Tisch stelle. Oder ob ich ein Stück eines erwachsenen toten Tieres verwende, um uns satt zu machen.

Natürlich mache ich mich schuldig, wenn ich statt dem Osterlamm einen Rinderbraten zubereite. Ich mache mich auch schuldig, wenn ich einen Rotkohl vom Feld abschneide, um daraus leckeres Rotkraut zu kochen. Ich bin schuldig, Kartoffeln aus der Erde zu reißen, um meine Familie zu ernähren.

Wenn Vegetarier und Veganer es als scheinheilige Ausrede sehen, ist das so. Ebenso, dass es für mich einen gravierenden Unterschied darstellt, kein Osterlamm zu essen, sondern ich Fleisch von Tieren verwende, die zumindest ein etwas längeres Leben auf Wiesen und nicht in Zuchtanstalten haben konnten.

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