Leben auf dem Land

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Raus aus der großen Stadt

Aus dem Ruhrpott sind wir ausgewandert und haben uns für ein Leben auf dem Land entschieden. Frankreich war unser Ziel. Ein kleines Örtchen mit etwa 260 Einwohnern, keiner Infrastruktur und dem gewünschten Dorfidyll. Unser Leben hat sich von Grundauf geändert:

  • Knapp 600.000 Stadtbewohner einer Pott-Metropole haben wir hinter uns gelassen.
  • Von großen Supermärkten, Baumärkten und zentraler Lage haben wir uns verabschiedet.
  • Aus einer großen Stadtwohnung mit ätzenden Obermietern sind wir in ein großes Haus mit noch größerem Grundstück gezogen

Obwohl wir Stadtmenschen sind, haben wir uns vor der Auswanderung auf´s Leben auf dem Land sehr gefreut.

Als Stadtmensch auf dem Land?

Meine Kinder sind in der Stadt aufgewachsen und ich mag das urbane Treiben. Allerdings kenne ich aus meiner Kindheit das Leben auf dem Land und habe den Kindern viel darüber erzählt. Der Gedanke, nicht nur Deutschland zu verlassen, sondern auch der Stadt den Rücken zu kehren, wuchs heran. Es war nicht schwer, den Schritt zu wagen.

Oft werde ich gefragt, ob das so einfach geht. Ein Stadtmensch ist doch für das Leben auf dem Land gar nicht geeignet. Ja, es ist eine Umstellung. Viele Dinge laufen in ländlichen Regionen anders und man muss sich arrangieren.

Uns war es wichtig, einen großen Garten zu haben, in dem wir Hühner halten, Obst, Gemüse und Salat anpflanzen können. Unser Problem: Von all dem habe ich als Stadtmensch kaum Ahnung. Doch es gibt nichts, das man nicht lernen könnte.

Leben auf dem Land
Leben auf dem Land

Richtig leben auf dem Land – ein langer Weg

Uns ging es nicht darum, einfach nur ein Landhaus zu beziehen, einen Englischen Rasen im Garten zu haben, sondern wir wollen uns teilweise selbst versorgen, weil Eier aus dem Supermarkt nicht schmecken und selbst Obst und Gemüse kaum noch in guter Qualität gekauft werden können. Das Gärtnern und Bewirtschaften ist also ein wichtiger Teil unserer Vorstellung von einem Leben auf dem Land.

Vier Gärten haben wir, die uns momentan alles abverlangen. In den letzten Jahren passierte hier nicht viel. Für uns eine Herausforderung. Bevor wir den Garten so nutzen können, wie wir uns das vorstellen, gibt es viel zu tun.

Reichlich Arbeit am Haus und im Garten
Reichlich Arbeit am Haus und im Garten

Hilfe, wo bekommt man Gartengeräte her?

Wie erwähnt ist die Infrastruktur hier in der Region recht mau und selbst lokale Geschäfte haben nicht immer das, was man kaufen möchte. Große Städte gibt es hier nicht und obwohl hier alle ein Leben auf dem Land führen, ist die Suche nach Schippe, Spaten, Schubkarre und allem, was wir sonst so für die Gartenarbeit brauchen, echt mühsam. Zwar gibt es zwei “größere” Läden, die Hühnerställe, Hasenställe und Gartenmöbel haben, allerdings Gartenwerkzeug haben wir noch nicht entdeckt.

Wenn es um solche Dinge geht, versuchen wir es im Internet, da es zumindest ein paar Garten- und Baumärkte gibt. Aber auch das ist nicht immer ganz so einfach. Zumal wir die Landessprache noch nicht vollständig kennen. Mit dem Google Translater können wir Internetseiten von Gartenshops und Baumärkten übersetzen, allerdings wird´s bei Beschreibungen wie z. B. dem ‘tondeuse à gazon’ schwierig, da die Übersetzung dem Rasenmäher Produkteigenschaften wie folgendes zuweist:

Beschreibung Rasenmäher
Beschreibung Rasenmäher

Leider versenden deutsche Baumärkte nicht nach Frankreich, jedoch nutzen wir Amazon, Seiten wie baywa-baumarkt.de und natürlich das deutschsprachige Internet, um uns näher über die Produkte zu informieren, wenn das Übersetzungstool uns nicht weiterhilft.

Zumindest klappt das bei Produkten von Markenherstellern recht gut, denn in Frankreich werden viele der großen deutschen Marken verkauft. Wir trinken hier z. B. auch Jacobs Kaffee oder Dallmayr 😉

Das Schwierigste beim Leben auf dem Land in Frankreich ist also nicht das Leben selbst, sondern das Kaufen von den Dingen, die man braucht. Irgendwie sind wir Stadtmenschen doch verwöhnt.

Vorgarten - viele Jahre nichts passiert
Vorgarten – viele Jahre nichts passiert

Die Vorteile vom Leben auf dem Land

Endlich wieder frische Luft

Langer Rede kurzer Sinn: In diesem Sommer wird das mit der erhofften Gartennutzung nichts mehr. Unser Gartenwerkzeug ist noch nicht vollständig und es gab mehr zu tun, als anfangs anzunehmen war. Macht nichts, denn so oder so: Wir lieben unser Leben auf dem Land.

Obwohl wirklich alles anders ist, fühlen wir uns freier als in der Ruhrpottmetropole mit knapp 600.000 Einwohnern. Die Luft hier ist einfach großartig und jeder Stadtmensch sollte einmal ganz weit weg von Industrie und Städten fahren, um durchzuatmen.

Als ich zum ersten Mal hier aus dem Auto ausgestiegen bin, war ich überwältigt. Es riecht hier unglaublich toll. Nicht nach Kuhmist oder Hühnerstall, sondern nach Natur. 10 Jahre Ruhrpott haben saubere Luft in Vergessenheit geraten lassen.

Keine Martinshörner mehr

Es ist ein ganz neues Lebensgefühl, niemand mehr über sich wohnen zu haben oder morgens die Rollläden hochzuziehen und direkt in die Natur zu schauen. Was ich wirklich sehr erdrückend in den Städten fand, waren all die Martinshörner, die ich im Laufe eines Tages zu hören bekam. Nicht, weil ich mich dadurch gestört fühlte, sondern weil jedesmal in mir der Gedanke aufkam: “Ist jemand etwas Schlimmes passiert?

Kinder lernen die Natur kennen

Ich finde es toll, dass meine Kids im letzten Jahr so viel über Tiere und Natur erfahren haben, wie es in der Stadt niemals möglich wäre. Sie streicheln Kühe, haben gesehen, wie Schäfchen und kleine Zicklein auf die Welt kommen. Haben Frösche, Hasen und Blindschleichen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten können und dürfen bei den Nachbarn beim Aufsammeln der frisch gelegten Hühner- und Wachteleier helfen.

Eine ganz tolle Nachbarin, eine alte Dame, erklärt uns viel über das Leben auf dem Land. Tipps und Tricks, wie man Pflanzen nutzt, welche Pflanzen man zum Teekochen verwenden kann, woran man ungiftige Pilze erkennt und wie man Champignons von der Kuhweide stibitzen kann, ohne dass die Kühe zornig werden.

Vermissen wir die Stadt?

Nein! Tief im Herzen sind und bleiben wir Stadtmensch. Doch das Leben auf dem Land und die viele Gartenarbeit wollen wir nicht mehr hergeben. Was uns jetzt noch fehlt, ist der tolle Garten, den wir hoffentlich im nächsten Jahr soweit fertig haben, dass wir den Sommer unter freiem Himmel genießen können.

Seit einem Jahr habe ich keine Stadt mehr erlebt. Ich vermisse NICHTS. Wenn ich mir heute vorstelle, noch einmal die dreckige Luft riechen zu müssen, schüttelt es mich. Auch solche banalen Dinge wie Parkplatzsuche, Gehupe oder Bohrgeräusche aus der Nachbarwohnung brauche ich nicht mehr, weil diese Geräusche nerven.

Holz hacken auf dem Land
Holz hacken auf dem Land

Ist das Leben auf dem Land langweilig?

Iwo! Leise ist es hier nicht. Hier gackern die Hühner und wenn wir auf´s Klo gehen, hören wir vom Grundstück hinter unserem Haus die Ziegen meckern und die Pferde wiehern. Die großen Traktoren und Landmaschinen der Bauern fahren hier, wenn das Feld es erfordert und das Wetter es nötig macht. Auch Sonntags, an Feiertagen und bis in den späten Abend hinein. Na und?

Die Nachbarn hacken Holz, wenn das Wetter gut ist und die Holzlieferung eintrifft. Wann immer das ist. Statt zu mosern und sich über Ruhestörung zu beklagen, schnappt man die Axt, geht rüber und hilft.

Jeden Tag passiert etwas. Etwas positives, lustiges oder einfach für uns etwas Neues. Die Kinder finden Maikäfer, ein Katzenbaby miaut vor der Haustür und bittet um Einlass, Blindschleichen wuseln durch den Garten, die Walderdbeeren sind reif, oder es geht wieder in den Hühnerstall, um Eier zu holen. Hier lebt man wirklich.

facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail

Share This Post

Post Comment