Fernweh

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Ich kann ihn riechen – diesen einen Ort

Die meisten Menschen reisen gerne. Ich nicht. Zumindest nicht irgendwo hin. Es gibt einen Ort. Dort, wo mich das Fernweh hinzieht. Ein konkretes Reiseziel, das mir so wohl vertraut ist, wie kein anderer Ort. Nicht der schönste. Nicht der nobelste. Nicht der bekannteste. Eine kleine Mauer inmitten eines keinen Städtchens. Irgendwo im Ausland. Diese Mauer ist schon sehr alt und trennt das urbane Kleinstadtleben von seinem Hafen. Einer der ganz wenigen Häfen, wo Fischer mit ihren kleinen Booten täglich ein- und ausfahren. Mein Fernweh riecht nach salziger Luft. Geschwängert von Fischgeruch. Ich hasse Fisch. Der Geruch ist mir zuwider. Eigentlich. Doch dort , nur dort – da liebe ich ihn.

Als kleines Kind stand ich mit weit geöffneten Augen vor dieser alten Mauer. Saugte diesen Geruch in mir auf und bestaunte die alten Fischernetze. Die fleißigen Fischer und ihre Fänge. Viele Jahre verbrachte ich den Urlaub an dieser Stelle. Wann immer ich dorthin reiste, stand ich an dieser alten Maurer. Viele Jahre ist es her, dass ich meine letzte Reise an diesen magischen Ort machte. Das Reisen nie vermisst. Doch jetzt überkommt mich Fernweh. Sehnsucht an diesen Szenerie, von der ich weiß, dass ich zur Ruhe komme, wenn ich dort ankomme. Ein Ort der Heilung. Eine Oase zum Auftanken. Ein Ziel, das nicht austauschbar ist.

Fernweh
Fernweh

Auch nach über 27 Jahren kann ich ihn riechen, diesen magischen Platz. Ich schließe meine Augen und mein Gedächtnis kramt die so oft gesammelten Eindrücke hervor. Meine Oase. Wann immer ich mich in die Ferne sehne, eine Auszeit benötige, lasse ich mich verreisen. In meinen Gedanken. Dorthin. Weil es so unsagbar schön ist.

Einfach die Koffer packen?

Es wäre so einfach. Schnell ein paar Klamotten packen, den Laptop in den Koffer, etwas Geld in die Hand und losfahren. Sich auf den Weg machen. Fernweh und Sehnsucht stillen. Mal richtig im Urlaub zur Ruhe kommen. Will ich das? Nein. Denn das schönste, was man auf Reisen sammeln kann, sind die Erinnerungen. Heute bin ich kein kleines Mädchen mehr. Auch kein Teenager, der damals vor diesem kleinen Fischerhafen stand und die salzige Meerluft in sich aufsog.

Ich packe keine Koffer, um meine Sehnsucht bei einer schönen Reise zu stillen. Heute lebe ich. Unabhängig. Frei. Dort, wo es mir und meiner Familie gefällt. Und das ist nicht in Deutschland. Wenn ich gehe, dann gehe ich für immer. Um nicht nur für einen Moment, in dem ich an meinem Ort zur Ruhe zu kommen kann. Wenn ich gehe, dann bleibe ich. Dahin, wo mein Herz mich verschlägt. In die wundervollste kleine Stadt, die ich mir überhaupt vorstellen kann.

Wie Reisen das Leben verändert

Urlaub macht man, um sich zu erholen. Ein paar Wochen im Jahr. Raus aus dem Alltag. Abschalten. Neue Länder kennenlernen. Sightseeing, Wellness. Gutes Essen. Am Strand liegen und in der Sonne brutzeln. Volles Programm. So war das früher. Für mich. Ein paar Wochen im Jahr. Nur.

Es schien, als sei mein Fernweh gestillt gewesen. In all den Jahren, die nun dazwischen liegen. Doch seit einigen Monaten wächst eine neue Sehnsucht in mir heran. Fernweh, die nach meiner Auswanderung aus Deutschland nicht gestillt wurde. Vielleicht wäre Frankreich auch mein Land gewesen, wenn es nicht diesen für mich magischen Ort gäbe.

Frankreich ist schön. In unserer ländlichen Region lebt es sich ruhig. Tolle Luft. Gutes Klima. Ein Gefühl von Freiheit, die ich in Deutschland vermisste. Hier ist alles entschleunigt. Ich liebe es, dass hier niemand pünktlich ist. Ich liebe es, dass die Preise bei unserem Bäcker so ausfallen, wie die Laune des Bäckers. Was mir fehlt, ist die salzige Brise. Der Geruch, den ich so wenig mag. Er ist der Beweis, wie schön und wohltuend dieser eine magische Ort für mich ist. Ich liebe es, dort zu sein, obwohl es dort stinkt. Verzauberte Menschen. Überall. Ein kleines aber feines Urlaubsparadies. In meiner Erinnerung das erste wirklich prägende Erlebnis, das mir nicht aus dem Kopf gehen will.

Zum ersten Mal in meinem damals jungen Leben erwachte in mir Fernweh. Ein damals unbekanntes Gefühl. Verbunden mit wunderschönen Erinnerungen. Statt Bargeld wurde das Wechselgeld beim Einkauf mit kleinen Süßigkeiten herausgegeben. Das freundliche ‘Ciao’ klang tausendmal besser wie ‘Tschüss’ und ‘Auf Wiedersehen’. Und noch heute liebe ich Pizza und Pasta und unvergessen geblieben ist das stundenlange Sitzen auf den Molen, um dabei die Füße im Meer baumeln zu lassen.

Viele Jahre sind vergangen. Viele Jahre, in denen ich weder Fernweh noch Reiselust hatte. Doch die wunderbaren Erinnerungen einen noch viel wundervolleren Platz sind mir geblieben und haben jetzt einen besonderen Stellenwert in meinem Leben eingenommen. Gepaart mit der Erkenntnis, dass Träume ein wichtiges Lebenselixier sind. Ein Urlaub ist nicht nur eine Reise. Ein Urlaub kann das Leben nachhaltig verändern. Frönen Sie Ihrer Reiselust!

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