Haben weibliche Trainerinnen eine Chance in der Berufswelt?

Geht es um die Emanzipation der Frauen, kann man geteilter Meinung sein. Einerseits steht die Rolle der Führungsperson einer Frau genauso gut wie einem Mann, andererseits machen wir Frauen uns auch bei Küche, Heim und Herd gut. Wir sind multi-tasking-fähig. Spätestens als Mutter muss man zum Organisationsgenie werden. Kurzum: Wir sind talentiert. In uns stecken viele Talente. Die kann man in der Familie nutzen und natürlich im Beruf. Allerdings sollte die Berufswahl einer Frau nicht zum Politikum werden. Es sollte nicht die Emanzipierung ausschlaggebend dafür sein, ob sich Frauen (oder Männer) in der Berufswelt erfolgreich positionieren können, sondern einzig Talent und Kompetenz.

Auch, wenn jetzt vielleicht ein paar meiner männlichen Leser vermutlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchten, habe ich mich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, ob wir Frauen uns als Trainer durchsetzen könnten. Denn egal wohin ich schaue, treffe ich fast ausschließlich auf Männer, die als Coachs unterwegs sind. Sei es beim Fußball, im Radsport oder im Berufsleben, wenn man zum Beispiel Seminare oder ein Coaching für Manager besuchen möchte. Sollte ich da etwa auf eine Männerdomäne gestoßen sein? Sind wir Frauen für die Karriere emanzipiert genug?

Mein berufliches Umfeld …

… ist geprägt von Männern. Schlimm? Nein, das finde ich nicht, denn mit den allermeisten von ihnen lässt es sich phantastisch zusammenarbeiten. Aber es verwundert mich schon, dass 98 % meiner Geschäftspartner Vertreter des männlichen Geschlechts sind. Dabei war mir nie bewusst, dass ich mich vielleicht als Frau in einem echten Männerberuf befinden würde.

Viele meiner befreundeten Geschäftspartner haben eine spannende Vita. Meist sind es Quereinsteiger, die die Welt des Internetmarketings peu à peu für sich entdeckt haben. “Klein” angefangen, haben sie unentwegt an ihrer Weiterbildung gearbeitet, eine Vielzahl von Coachings besucht und so wuchsen und wachsen deren Freundeslisten auf Facebook, Xing und Co beachtlich.

In unserem Gewerbe ist es Usus, auch mit Geschäftspartnern in Freundschaften zu gehen und so kann man sehr gut beobachten, wer gerade welche Seminare besucht hat. Frauen sind in diesen Freundeslisten eher die Minderheit – erst recht, wenn man sich die Trainer anschaut, die Kurse für NLP, Business Coaching, Online-Marketing oder Social Media Management abhalten.

Haben Frauen als Trainer bzw. Trainerinnen keine Chance, keine Lust oder woran liegt es, dass jene Freundeslisten fast nur um Männer wachsen? Von wegen, denn hier ist beispielsweise eine Dame, die längst schon eine der weiblichen Größen im Management Coaching ist.

Meine berufliche & familiäre Situation

In meinem privaten Umfeld gibt es keine Frau, die sich nicht emanzipiert fühlt. Oder besser: Keine meiner Freundinnen und Bekannten empfindet sich benachteiligt, weil wir Frauen sind. Für uns ist Familie keine Benachteiligung, sondern Erfüllung.

Wir lieben das Familienleben und können darin wunderbar aufgehen, ohne auf der anderen Seite auf die berufliche Bestätigung verzichten zu müssen. Dabei sind wir beileibe keine Heimchen am Herd, sondern bilden uns ebenso weiter, haben beruflich Fuß gefasst und es ist uns fast allen gelungen, in unsere berufliche Wunschrichtung einzuschlagen. Zwar nicht immer auf dem direkten Weg, doch bekanntlich schaden kleine Umwege ja nicht.

Und trotzdem fällt mir der Berufszweig Trainer auf, bei dem ich weit und breit keine einzige Frau ausmachen kann. Ich vermute, dass nicht die Emanzipation es ist, die man dafür verantwortlich machen kann, soll, muss. Viel eher glaube ich, dass Frauen für sich selbst und für ihre Kinder einen gesunden Mittelweg zwischen Karriere und Familie finden wollen.

Wenn ich von mir ausgehe, habe ich folgende Erwartungen:

  • Ich möchte tagsüber genug Zeit für meine Kinder haben.
  • Wenn eins der Kinder krank ist, will ich zuhause bleiben können.
  • Der Haushalt muss erledigt werden und abends soll ein frisch gekochtes Essen auf dem Tisch stehen.
  • Mein Beruf muss genug einbringen, um die Familie zu ernähren, aber auch einen gewissen Freiraum erlauben.

Sind das nun Argumente, die dagegen sprechen, dass ich meine beruflichen Fähigkeiten nicht als weiblicher Trainer weitergebe? Nein, auf gar keinen Fall. Vielmehr ist mir das Vorantreiben meiner Karriere nicht so wichtig, als dass ich momentan mein Leben neu sortieren wollen würde. Weil so, wie es jetzt ist, ist es perfekt.

Mein Tutor: Mach das!

Ein guter Freund, fast schon mein Tutor, ist so etwas wie mein beruflicher Wegbegleiter geworden. Ja, er ist auch so einer, in dessen Freundeslisten regelmäßig neue Männer auftauchen – Trainer! ;-) Als es vor geraumer Zeit so war, dass auch ich mich damit auseinandersetzen wollte, ob ich mir nicht doch mal eins dieser Seminare für unsere Berufssparte ansehen wollte, führte mich der erste Weg zu eben jenem Tutor.

Er, der schon unzählige solcher Coachings für sich gebucht hatte, kennt sämtliche Größen, die man kennen muss. Sollte ich mich eigens in ein Trainer Seminar von Frauen für Frauen einschreiben? Oder wäre ein männlicher Coach die bessere Wahl? Seine Empfehlung: Ich solle hier das kostenlose Infopaket anfordern und mich näher mit der Thematik befassen. Eine Trainerausbildung könne kein Fehler sein.

Selbst, wenn ich nicht zur weiblichen Trainerin werden wolle, würde ich davon in jedem Fall profitieren. In der Kommunikation mit Auftraggebern, mit beauftragten freien Mitarbeitern und somit im gesamten beruflichen Kontakt zahlt es sich aus, wenn man z. B.

  • Ziele
  • Wünsche
  • Erwartungen
  • Preisverhandlungen
  • zu vereinbarende Leistungen

präzise an die Geschäftspartner wie auch an die Mitarbeiter formulieren kann. Außerdem können betriebliche Abläufe effizienter gestaltet und effektiver organisiert werden. Schon bald war die Anmeldung für meine Trainingsausbildung erledigt und kurz darauf ließ ich mich auf mein erstes Seminar ein. Meine Erfahrung: Absolut top!

Was sagen eigentlich die Männer zu Frauen als Trainer?

Während dem Coaching saß ich, dreimal dürfen Sie raten … inmitten einer Männerrunde. Männer, die ohnehin schon erfolgreich im Beruf stehen. Als einzige Frau hatte ich keinesfalls das Gefühl, in diese Runde nicht gut aufgenommen worden zu sein.

Meine männlichen Kollegen, die meisten von Ihnen schon alte Hasen bei derartigen Veranstaltungen, waren nicht im Geringsten davon überrascht, dass eine Frau sich in ihre Mitte einreihte. Stattdessen wurde ich herzlich in die Männerrunde aufgenommen und vorbildlich integriert.

Ich fragte nach, ob es üblich sei, dass kaum Frauen in diese Seminare kommen und wie man es findet, dass ich mich in die “Höhle des Löwen” wagte. Über die Antworten war ich doch sehr überrascht. Man(n) war froh, dass ich als Frau die Runde auflockerte und begegnete mir mit Respekt, weil ich trotz meinem familiären Hintergrund mich neuen Herausforderungen stelle und ich auch im Beruf “meinen Mann stehe”.

Männer haben also überhaupt kein Problem, wenn wir Frauen uns bei der Berufswahl in jene Gefilde wagen, wo bisher das männliche Geschlecht (noch) die Oberhand hat. Ihnen sei ein gutes berufliches Miteinander und fachliche Kompetenz allemal wichtiger, als ein Geschlechtergerangel um Emanzipation. Gut so, denn mal ehrlich, Frauen und Männer – es nervt doch wirklich, immer auf dem Emanzipationskram herumzureiten.

Warum also sollen wir nicht auch erfolgreiche Trainer werden und den Männern im Coaching Erfahrung, Wissen und Kompetenz weitervermitteln können? Übrigens, natürlich war mein Coach ein Mann. Nicht etwa, weil ich einer Frau eine derartig gute Trainerausbildung nicht zugetraut hätte. Sondern schlichtweg deshalb, weil es zu wenige Damen gibt, die sich bei ihrer Berufswahl auf den Lehrtrainer spezialisiert haben.

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