Ich hab mich so sehr in dich verliebt …

… und das habe ich mir nicht ausgesucht

Am Anfang hast du mich gebeten, uns eine Chance zu geben. Ich wollte nicht. Ich hatte die große Liebe gefunden – und sie blieb viele Jahre unerfüllt. Mehr Schmerzen, mehr alleine sein – als sie einfach zu genießen. 23 Jahre kämpfen. Das tat weh. Nie mehr wollte ich diesen Schmerz erleiden. Darum wollte ich mich nie mehr verlieben. Jetzt ist es passiert. Ohne, dass ich es wollte.

JETZT

Ich überlege, ob ich dir Unrecht tue. Schon wieder nehme ich dir deine kostbare Zeit, um dir meine Dinge mitzuteilen. Ich überlege, ob ich mich dafür entschuldigen soll, dass ich deine Zeit schon wieder verschwende, weil dich schon wieder “volllabere”.

Nein. Dafür entschuldige ich mich nicht. Denn du bist mir wichtig und ich will, dass du DAS weißt und ich will, dass DU weißt, dass ich am Ende bin.

Meine Worte sind nicht mächtig. Sie sind eine Liebeserklärung an dich.

DAFÜR ENTSCHULDIGE ICH MICH NICHT!!!

Worte, mit denen ich mich vielleicht auch einfach nur zur Idiotin mache und die vielleicht irgendwann mal jemand anders gezeigt bekommt.

Ich will dich nicht bevormunden. Ich will dir nicht sagen, was du tun sollst. Ich will dir kein Geständnis abringen, das du nicht geben willst oder kannst.

Ich will, dass Du Dir die Zeit nimmst, das JETZT zu lesen. DAS zu verstehen. MICH zu verstehen. Wenn ich dir wichtig bin, KANNST du das Richtige tun.

Fragen über Fragen

Mir gehen Gedanken durch den Kopf, die ich nicht will. Doch sie tun es einfach. War ich Mittel zum Zweck? Bist du mir gegenüber nicht ehrlich gewesen? Bin ich zu egoistisch, weil ich keine Geduld habe? Bin ich dir gegenüber jetzt nicht fair und soll ich weiter an dich und deine Worte glauben? Soll ich noch länger in der Warteschleife ausharren, weil am Ende alles gut wird? Schlage ich dich in die Flucht, weil ich schon jetzt “fordere”? Liest du eigentlich, was ich schreibe? Ringe ich dir ein “Geständnis” ab, wenn ich dir jetzt schreibe, dass meine Reserven aufgebraucht sind? Darf ich dir noch mehr Zeit stehlen? Empfindest du das so? Mache ich mich zum Volldeppen, weil ich dir nachlaufe? Empfindest du überhaupt etwas für mich? Empfindest du das gleiche, wie ich für dich? Laufe ich dir nach? Oder muss ich schon um dich kämpfen?

Vielleicht sitzt du gerade im Auto – auf den Weg nach Hamburg, Berlin oder sonst wohin. Ja, dann sollst du mir nicht antworten. Ich will nicht, dass dir was passiert. Vielleicht bist du im Gericht. Dann sollst du JETZT für deine Mandanten da sein – später für mich. Vielleicht musst du dich um deine Kinder kümmern. Ja, sie müssen, sollen und dürfen dir wichtiger sein, wie ich.

Vielleicht liegst du auch im Krankenhaus. So, wie damals mein Mann. Wir waren verheiratet – trotzdem sagte mir niemand Bescheid.

Mich zerfrisst die Sorge und der Kummer, NICHTS zu wissen. Hier sitzen zu müssen. Abwarten. Bis … ja, bis wann denn überhaupt??? Höre ich überhaupt noch einmal was von dir? Wenn ich dich nicht darum bitte???

Männer und Frauen – wir sind anders

Ich mache dir keinen Vorwurf, dass du jetzt gerade keine Zeit für mich hast. Am Anfang habe ich dir gesagt, es wird kompliziert. Du und ich – das KANN nicht funktionieren. Dein Job. Mein Leben. Die Zeit. Die Entfernung. Die Menschen, denen wir helfen. Die Baustellen. Viele Gründe. Doch du sagtest, wir finden Lösungen. Ich soll nicht für dich entscheiden. Wir schaffen das schon.

Ich traue mich nicht mehr, dich zu stören. Weil ich vor dem, was du tust, größte Achtung habe. Weil es wichtig ist, weil es niemand gibt, der es besser könnte. Doch Verstand und Herz sind zwei paar Dinge. Was mein Kopf zulässt, bricht mir jetzt gerade das Herz.

Ich kann mich beherrschen. Mich zusammenreißen. Doch ich als Frau bin und fühle anders, wie du als Mann.

Du denkst vielleicht:

“Wenn wir Zeit haben, findet sich alles…!”

Ich denke:

“Wenn ich liebe, wird alles zur Nebensache!”

Migräne. Termine. Stress. Ja, alles möglich. Aber kein Grund, mich zu vergessen. Denn SO fühlt sich das gerade für mich an. Ich denke darüber nach:

“Er ist ein Mann. Pragmatisch. So sind sie eben. Aber ich bin Frau. Ich stelle in Frage. In mir kommen Zweifel, ob du dich wirklich verliebt hast.”

Das Wertvollste was ich zu vergeben habe ist meine Ehrlichkeit

“Man muss nicht alles kompliziert machen!”

Das hast du gesagt. Ich frage mich:

“Mache ich es JETZT kompliziert?”

Nein. Ich kämpfe mit mir selbst. Die Selbstachtung eines Schützen. Die Gefühle, die in mir toben. Du sagtest, ich soll sie zulassen. Ich habe vertraut – und jetzt ist das passiert, was ich NIE MEHR IM LEBEN erleben wollte.

Die Ungeduld, endlich Klarheit zu haben. Zu wissen, ob wir zwei überhaupt als Paar zusammenfinden können. Ob der Funke überspringt und ob das Verliebtsein stark genug ist, nach Lösungen zu suchen.

Nicht die wenige Zeit ist mein Problem. Ich bin auch nicht die nächste falsche Partnerin. Denn ich habe vor deiner Arbeit den größten Respekt, den dir überhaupt ein Mensch dafür zollen KANN. Weil ich das gleiche Ziel habe.

“Da potenziert sich was!”

Auch das hast du geschrieben. Aber nur, wenn wir uns zusammentun. Es zusammen angehen. Unsere Fähigkeiten zusammenwürfeln. Effizient werden. Zeitmanagement. Abräumen. Zurückholen. Doch das geht nicht. Nicht so. Wenn nicht einmal die Zeit bleibt, sich zu sehen. Miteinander reden zu können. Uns kennenlernen. SO wachsen wir weder im Kampf zusammen. Noch im Privaten.

Jetzt entfernen wir uns voneinander.

Meine Ehrlichkeit zwingt mich, dir meine Gefühle zu schreiben. Weil du mir wichtig bist und ich Angst vor meinem Stolz habe. Der zwingt mich, das jetzt zu beenden – um mich selbst zu schützen. Um mir neben dem Herzen nicht auch noch meine Würde zu brechen.

Nicht die Zeit ist das Problem

Ich will nicht auf dich warten, wenn ich nicht weiß. Wenn ich keine Klarheit habe. Wenn ich wüßte, wäre mir die Zeit egal. Ich bin keine Klette. Ich brauche keine Aufmerksamkeit im Sekundentakt. Ich brauche einfach nur Klarheit. Weil ich weiß, dass ganz viele andere Menschen DEINE Zeit brauchen – weil nur du ihnen helfen kannst.

Ich brauche von dir etwas anderes. Und davon hast du JETZT nichts mehr für mich übrig. Deine lieben Worte. Deine Aufmerksamkeit. Deine Beachtung. Die Nähe zu dir. Dein Denken an mich. Deine kleinen und freiwilligen Geständnisse an mich – zwischen den Zeilen. Ein Wiedersehen. Eine Berührung.

Heute ist Dienstag

“Schnellstmöglich treffen…”

Deine Worte. Ich s-c-h-r-e-i-b-e dir. Du antwortest:

“Wann?”

Ich habe keinen Terminkalender. Wann kannst DU?

Keine Antwort.

“Dienstag?”

Keine Antwort.

Was? Was soll ich tun? Ich verstehe das SO nicht!

Gestern

Um 21:30: raus aus Facebook. PC aus. Heute 13:30 Uhr: Immer noch kein Facebook. Ist es dir aufgefallen? Noch vor 3 Wochen hast du dir Sorgen um mich gemacht. Gestern? Heute? Nichts. Keine “Wo bist du?” Nachricht. Kein Anruf. NICHTS!

Interessiert es dich noch?

Ich gewöhne mich an das Verletzt-Sein. Ich weine nicht mehr. Ich leide heimlich und still. Meine Lunge versagt. Meine Nieren sind vergiftet. Wasser im Körper. Krankenhaus? Geht nicht. Heute Nacht betäubt. Nicht mit Alkohol wie bei unserem letzten Anruf, sondern mit Schmerzmitteln.

Wie ich mich jetzt fühle:

Alleine, verzweifelt, wie ein Bittsteller, hoffnungslos, wehrlos, hilflos.

Du hast mich gefragt:

“Kannst du schnell schreiben?”

Ja, ich kann. Schnell und gut. Vielleicht hätte ich dir helfen können. Keine Nachricht. Wenn ich könnte, wie ich wollte, käme ich zu dir. Anpacken. Aber hier kann und komme ich nicht einfach so weg.

Stattdessen sitze ich hier – warte. Auf eine klitzekleine Nachricht. Jede Sekunde ein endloses Warten. Mich lähmt das und so KANN das nicht weitergehen.

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