Leben ohne Smartphone

Was die Generation Smartphone betrifft, bin ich ein Dinosaurier. Ein Leben ohne Handy konnte ich mir kaum vorstellen. Wie toll jedoch ein Smartphone ist, hätte ich nicht wirklich geahnt, bis ich sehr spät mein erstes besseres davon in den Händen hielt. Denn das vorige Modell wollte einfach nicht die Onlineverbindung herstellen und irgendwann fand ich mich damit ab, dass das schicke Mobiltelefon mit Touchscreen eben nur zum Telefonieren verwendet werden wollte.

Smartphones – ja, sie sind toll

Vor rund 4 Jahren schaffte ich mir ein neues Handy mit Touchscreen an – bereit für die uneingeschränkte Online-Mobilität. Und es klappte. Meine Neuanschaffung funktionierte diesmal auch online. Das gute Stück hat 2 Jahre viele, wirklich sehr viele Betriebsstunden leisten müssen, denn als erstes wirklich tolles Smartphone in der Familie durfte es nutzen. Von Musik hören über Videos auf YouTube gucken (“Mama, kann ich mal eine Bastelanleitung auf deinem Handy anschauen?”) bis zu Spielen und vielem anderen mehr. Jeder wünschte sich zu Weihnachten ein eigenes Smartphone, denn ganz ehrlich – diese mobilen Kommunikationsgeräte sind klasse. Bis zu dem Tag, an dem mein Leben ohne Handy weiterging.

Warum kein neues Mobiltelefon?

Einerseits technisch versiert – aus beruflichen Gründen – andererseits technisch vollkommen desinteressiert aus privaten Gründen. Welches Handy hätte ich mir als Ersatz kaufen wollen? Wieder Nokia? Nokia out! Sagen alle. iPhone? Nee, auf gar keinen Fall. Vor dieser Haltung kniet sogar der tollste Mann auf diesem Planeten vor mir nieder. Samsung? Keine Ahnung. Welcher Tarif? Welcher Anbieter? Woher soll ich das wissen? Mich durch den Anbieter- und Tarifdschungel zu schlagen, darauf hatte ich einfach keinen Nerv und selbst Seiten wie simyo und Co helfen mir nicht weiter, weil ich auf solche nüchternen Materien schlicht keine Lust habe. Zahlen und Geschäftsbedingungen lesen ist nicht meine Welt.

Badezimmerfliesen sind für Smartphones nichts

Ich bin keine Frau, die ihr Leben in allen Lebenslagen mit Versicherungen zupflastert. Eben nur das Nötigste. Und glücklicherweise hatte ich bisher noch keine größeren Versicherungsschäden, so dass im Schadensfalls verkraftbar ist, aus eigener Tasche zu zahlen. Eine Versicherung für´s Handy wäre also bei mir vollkommen unsinnig gewesen.

Doch dann. Vor rund einem Jahr passierte es. Tochterkind nahm mein geliebtes Nokia Handy mit zum Zähneputzen ins Bad. Mit Musik geht alles leichter. Klammheimlich mogelte sie mein Handy wieder auf meinen Schreibtisch und am nächsten Morgen sah ich: Display kaputt. Totalschaden. Shit happens. Und weil ich sowieso den ganzen Tag online arbeite und aufgrund meiner Lebenssituation eher froh bin, mal ein paar Stunden nicht für Jedermann erreichbar zu sein, folgte eine ziemlich gute Entscheidung: Ab sofort verläuft dein Leben ohne Handy.

Funktioniert es, ohne Handy zu leben?

Na klar. Ein Jahr lang ohne technischen Luxus habe ich nun hinter mir. Keine nervigen Anrufe, keine ätzenden SMS, kein Entknoten von Ladekabeln oder sonstigen Ärgernissen. Ruhe! Das hat was. Unterwegs sein und einfach mal abschalten können. Mal all die Dinge ungestört zu genießen, wenn ich nicht am Arbeiten, sondern einfach nur Privatmensch bin. Eine schöne Zeit, das Leben ohne Handy. Ein Jahr Genuss pur. Nichts, dass ich vermisst hätte. Insofern ein lohnenswerter Selbstversuch.

Aber … jetzt will ich ein Handy

Nun ist die Zeit gekommen, in der ich mir nichts sehnsüchtiger wünsche, als ein neues Handy. Eins, dessen Nummer ich nicht Hinz & Kunz gebe. Ein Smartphone, das zwar mit dem Internet, aber nicht mit meinen gefühlten 2 Millionen beruflich genutzten Accounts auf Twitter, G+, Facebook und Co verbunden ist.

Ich wünsche mir ein Mobiltelefon, das nur für meinen Herzensmenschen da ist. Eins, das nie klingelt – außer, wenn ER anruft. Einen Klingelton, den ich genauso lieben werde, wie ich diesen einen Mann liebe. Wenn er mich liebt, wird er mich anrufen! Er wird mir über den privaten Kanal seine Herzensbotschaften schicken, wenn er nur mal kurz zwischen der Arbeit Zeit hat.

Wann immer mein Handy mich ruft, weiß ich: Er denkt gerade auch an mich. Ein Jahr Leben ohne Handy war prima. Denn es gab niemanden mehr, der mich WIRKLICH hätte anrufen sollen. Doch jetzt ist ein Leben ohne Smartphone für mich nicht mehr denkbar. Jetzt ist alles anders.

 

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