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Leben auf dem Land

Raus aus der großen Stadt. Das war mein Motto. Aus dem Ruhrpott sind wir ausgewandert und haben uns für ein Leben auf dem Land entschieden. Frankreich war unser Zielland. Ein kleines Örtchen mit etwa 260 Einwohnern, keiner Infrastruktur und dem gewünschten Dorfidyll. Unser Leben hat sich von Grundauf geändert:

  • Knapp 600.000 Stadtbewohner einer Pott-Metropole haben wir hinter uns gelassen.
  • Von großen Supermärkten, Baumärkten und zentraler Lage haben wir uns verabschiedet.
  • Aus einer großen Stadtwohnung mit ätzenden Obermietern sind wir in ein großes Haus mit noch größerem Grundstück gezogen

Obwohl wir Stadtmenschen sind, haben wir uns vor der Auswanderung auf´s Leben auf dem Land sehr gefreut.

Als Stadtmensch auf dem Land?

Meine Kinder sind in der Stadt aufgewachsen und ich mag das urbane Treiben. Allerdings kenne ich aus meiner Kindheit das Leben auf dem Land und habe den Kindern viel darüber erzählt. Der Gedanke, nicht nur Deutschland zu verlassen, sondern auch der Stadt den Rücken zu kehren, wuchs heran. Es war nicht schwer, den Schritt zu wagen.

Oft werde ich gefragt, ob das so einfach geht. Ein Stadtmensch ist doch für das Leben auf dem Land gar nicht geeignet. Ja, es ist eine Umstellung. Viele Dinge laufen in ländlichen Regionen anders und man muss sich arrangieren.

Uns war es wichtig, einen großen Garten zu haben, in dem wir Hühner halten, Obst, Gemüse und Salat anpflanzen können. Unser Problem: Von all dem habe ich als Stadtmensch kaum Ahnung. Doch es gibt nichts, das man nicht lernen könnte.

Richtig leben auf dem Land – ein langer Weg

Uns ging es nicht darum, einfach nur ein Landhaus zu beziehen, einen Englischen Rasen im Garten zu haben, sondern wir wollen uns teilweise selbst versorgen, weil Eier aus dem Supermarkt nicht schmecken und selbst Obst und Gemüse kaum noch in guter Qualität gekauft werden können. Das Gärtnern und Bewirtschaften ist also ein wichtiger Teil unserer Vorstellung von einem Leben auf dem Land.

Vier Gärten haben wir, die uns momentan alles abverlangen. In den letzten Jahren passierte hier nicht viel. Für uns eine Herausforderung. Bevor wir den Garten so nutzen können, wie wir uns das vorstellen, gibt es viel zu tun.

Hilfe, wo bekommt man Gartengeräte her?

Wie erwähnt ist die Infrastruktur hier in der Region recht mau und selbst lokale Geschäfte haben nicht immer das, was man kaufen möchte. Große Städte gibt es hier nicht und obwohl hier alle ein Leben auf dem Land führen, ist die Suche nach Schippe, Spaten, Schubkarre und allem, was wir sonst so für die Gartenarbeit brauchen, echt mühsam. Zwar gibt es zwei “größere” Läden, die Hühnerställe, Hasenställe und Gartenmöbel haben, allerdings Gartenwerkzeug haben wir noch nicht entdeckt.

Wenn es um solche Dinge geht, versuchen wir es im Internet, da es zumindest ein paar Garten- und Baumärkte gibt. Aber auch das ist nicht immer ganz so einfach. Zumal wir die Landessprache noch nicht vollständig beherrschen. Mit dem Google Translater können wir Internetseiten von Gartenshops und Baumärkten übersetzen, allerdings wird´s bei Beschreibungen wie z. B. dem ‘tondeuse à gazon’ schwierig, da die Übersetzung dem Rasenmäher suspekte Produkteigenschaften zuweist.

Die Vorteile vom Leben auf dem Land

Das Landleben hat viele Vorteile. Zumindest dann, wenn man, so wie ich, dem Stadtleben überdrüssig geworden ist. Ich genieße die neue Freiheit.

Endlich wieder frische Luft

Langer Rede kurzer Sinn: In diesem Sommer wird das mit der erhofften Gartennutzung nichts mehr. Unser Gartenwerkzeug ist noch nicht vollständig und es gab mehr zu tun, als anfangs anzunehmen war. Macht nichts, denn so oder so: Wir lieben unser Leben auf dem Land.

Obwohl wirklich alles anders ist, fühlen wir uns freier als in der Ruhrpottmetropole mit knapp 600.000 Einwohnern. Die Luft hier ist einfach großartig und jeder Stadtmensch sollte einmal ganz weit weg von Industrie und Städten fahren, um durchzuatmen.

Als ich zum ersten Mal hier aus dem Auto ausgestiegen bin, war ich überwältigt. Es riecht hier unglaublich toll. Nicht nach Kuhmist oder Hühnerstall, sondern nach Natur. 10 Jahre Ruhrpott haben saubere Luft in Vergessenheit geraten lassen.

Keine Martinshörner mehr

Es ist ein ganz neues Lebensgefühl, niemand mehr über sich wohnen zu haben oder morgens die Rollläden hochzuziehen und direkt in die Natur zu schauen. Was ich wirklich sehr erdrückend in den Städten fand, waren all die Martinshörner, die ich im Laufe eines Tages zu hören bekam. Nicht, weil ich mich dadurch gestört fühlte, sondern weil jedesmal in mir der Gedanke aufkam: “Ist jemand etwas Schlimmes passiert?

Kinder lernen die Natur kennen

Ich finde es toll, dass meine Kids im letzten Jahr so viel über Tiere und Natur erfahren haben, wie es in der Stadt niemals möglich wäre. Sie streicheln Kühe, haben gesehen, wie Schäfchen und kleine Zicklein auf die Welt kommen. Haben Frösche, Hasen und Blindschleichen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten können und dürfen bei den Nachbarn beim Aufsammeln der frisch gelegten Hühner- und Wachteleier helfen.

Eine ganz tolle Nachbarin, eine alte Dame, erklärt uns viel über das Leben auf dem Land. Tipps und Tricks, wie man Pflanzen nutzt, welche Pflanzen man zum Teekochen verwenden kann, woran man ungiftige Pilze erkennt und wie man Champignons von der Kuhweide stibitzen kann, ohne dass die Kühe zornig werden.

Nach dem Umzug auf´s Land: Vermissen wir die Stadt?

Nein! Tief im Herzen sind und bleiben wir Stadtmensch. Doch das Leben auf dem Land und die viele Gartenarbeit wollen wir nicht mehr hergeben. Was uns jetzt noch fehlt, ist der tolle Garten, den wir hoffentlich im nächsten Jahr soweit fertig haben, dass wir den Sommer unter freiem Himmel genießen können.

Seit einem Jahr habe ich keine Stadt mehr erlebt. Ich vermisse NICHTS. Wenn ich mir heute vorstelle, noch einmal die dreckige Luft riechen zu müssen, schüttelt es mich. Auch solche banalen Dinge wie Parkplatzsuche, Gehupe oder Bohrgeräusche aus der Nachbarwohnung brauche ich nicht mehr, weil diese Geräusche nerven.

Ist das Leben auf dem Land langweilig?

Iwo! Leise ist es hier nicht. Hier gackern die Hühner und wenn wir auf´s Klo gehen, hören wir vom Grundstück hinter unserem Haus die Ziegen meckern und die Pferde wiehern. Die großen Traktoren und Landmaschinen der Bauern fahren hier, wenn das Feld es erfordert und das Wetter es nötig macht. Auch Sonntags, an Feiertagen und bis in den späten Abend hinein. Na und?

Die Nachbarn hacken Holz, wenn das Wetter gut ist und die Holzlieferung eintrifft. Wann immer das ist. Statt zu mosern und sich über Ruhestörung zu beklagen, schnappt man die Axt, geht rüber und hilft.

Jeden Tag passiert etwas. Etwas positives, lustiges oder einfach für uns etwas Neues. Die Kinder finden Maikäfer, ein Katzenbaby miaut vor der Haustür und bittet um Einlass, Blindschleichen wuseln durch den Garten, die Walderdbeeren sind reif, oder es geht wieder in den Hühnerstall, um Eier zu holen. Hier lebt man wirklich.

Duftsäckchen mit Lavendel – Motten haben keine Chance

Seit Ewigkeiten fand ich den Duft von Lavendel sehr unangenehm. Um es genauer zu formulieren: Lavendel – mein persönlicher Alptraum. Ich mied jedes Parfüm, in dem er zu riechen ist und es schien, als verfolge mich dieser grausame Geruch. Überall begegnete mir Lavendelduft.

Dabei sagt man dem Lavendelöl nach, es sei vielseitig nützlich. In Form von ätherischem Öl soll er für Harmonie und innere Ruhe sorgen, den Schlaf fördern und Motten aus dem Kleiderschrank fern halten. Dafür gibt es eigens kleine Duftsäckchen, die man kaufen und in die Schränke legen kann. Oder noch schlimmer: Mottenkugeln. Für mich war es immer ein Albtraum, dieses Zeug zu riechen.

Bis meine Tochter nach unserer Auswanderung mit einem Korb voll Blumen und Grünzeug ins Haus gestürmt kam. Jede Blüte musste fotografiert und beschnuppert werden. Erstmals hielt ich frische Zweige einer Lavendelpflanze in den Händen – und fand sie total süß. Auch, wenn mich der Geruch nach wie vor nicht wirklich von den Socken haut. Hübsch aussehen tut er trotzdem.

Wie ich zu Lavendel Duftsäckchen kam

Kaum kam das Tochterkind mit ihrem Blumenkorb angerannt, war ich auch schon in meinem täglichen Kreuzverhör. Fragen über Fragen.

  • Wie heißt die Pflanze?
  • Was ist das für eine Blume?
  • Warum riechen die Zweige so gut

Kind, das ist Lavendel. Wie ich solche Momente … liebe. Was macht man mit Lavendel? Kann man das essen? Weiß ich nicht, Kind. Aber man kann damit Duftsäckchen machen, um sie in den Kleiderschrank zu legen. Warum macht man das? Weil die Kleider dann gut riechen? Ja, auch. Aber der Geruch hält Motten fern. Oh prima, Mama! Wir haben doch so viele kleine Säckchen. Ich mach jetzt Lavendelsäckchen!

Lavendelduft im Februar

Das war im September letzten Jahres und ich hatte mich inzwischen mit den Duftsäckchen in allen Kleiderschränken abgefunden. Man gewöhnt sich auch an Lavendelgeruch. Oder vielleicht nimmt man ihn einfach nicht mehr wahr, wenn das eigene Tochterkind das ganze Haus mit Lavendelsäckchen lavendelisiert.

Doch die Tage fiel mir eins der kleinen Organzasäckchen in die Hände, die meine Kleine im vorigen September mit den duftenden Lavendelblüten gefüllt hatte. Jetzt wollte ich es aber wirklich wissen. Riechen die getrockneten Blüten noch? Oh, und wie.

Nur leicht die knisternden Blüten im Organzabeutelchen aneinandergerieben, strömte der intensive Lavendelduft zu mir auf. Kein Wunder, dass Motten nicht in Lavendel beduftete Kleiderschränke einziehen wollen.

Inzwischen finde ich den Geruch der lilafarbenen Blüte nicht mehr so schlimm und der wilde Lavendel in Frankreich duftet ganz anders, als ätherisches Lavendelöl, das ich aus Deutschland kannte. Selbst mit dem Geruch von Mottenkugeln haben unsere Duftbeutelchen nichts gemeinsam. Ich mag diesen Duft inzwischen sogar – fast.

Lavendelsäckchen selbst machen

Tochterkind hatte ein paar Lavendelsamen aufgehoben und in ein Blumenbeet im Garten gepflanzt. Wir wollen jetzt den Lavendel selbst anpflanzen, um auch in diesem Jahr wieder für neue Duftsäckchen zu sorgen. Wir haben die Lavendelzweige ein paar Tage trocknen lassen und dann mit einer Schere kleingeschnitten, um sie in kleine Organzasäckchen zu füllen.

Alternativ können aus Stoffresten kleine Kissen genäht werden, in die man den Lavendelschnitt einfüllt. Lavendelduftsäckchen oder Lavendelkissen werden präventiv in die Schränke getan, dann machen es sich Motten (bekannte und gefräßige Kleiderschädlinge) gar nicht erst in der Wäsche gemütlich.

Die getrockneten Blüten werden nicht zwischen die Wäsche gelegt, sondern am besten neben dran, oben drauf oder an einen separaten Kleiderbügel gehängt, damit der Lavendelgeruch ausströmen kann.

Ab und zu kann man Lavendelkissen oder Lavendelsäckchen zwischen den Händen reiben, um frischeres ätherisches Öl freizusetzen. Ob es wirkt, kann ich nicht sagen. Wir hatten auch ohne Lavendel noch nie Mottenbefall in der Wäsche. Zumindest duftet die Wäsche toll und Tochterkind hat reichlich Spaß beim Basteln gefühlter 500 Lavendelsäckchen.

Kleine Mädchen lieben Pferde …

… große aber auch! Als ich selbst noch Kind war, schleppte ich so mancherlei Getier mit nach Hause. Die Krönung war ein kleines grünes Fröschlein, das sich von meiner Hand aus dem Staub machte und dann tagelang gesucht werden musste. Es folgte das erste Haustier, ein Kanarienvogel namens Hansi, wegen dem schon kurz nach seinem Einzug die komplette rustikale Wohnwand zur Freude meiner Eltern abgebaut werden musste, weil er nicht mehr dahinter raus kam. Nach Hansi zogen Mr. X, ein asiatischer Kampffisch, Mäuse, ein Hamster, noch ein Hamster, Wellensittiche und so manches mehr ein. Je größer ein Mädchen wird, umso größer muss wohl auch das Haustier werden. Irgendwann war es dann soweit: „Mama, bekomme ich eine Giraffe?“ – „NEIN!“ – „Aber dann doch ein Pferd, oder wenigstens ein klitzekleines Pony…“

Heute bin ich groß und habe eine Tochter – mit Pferdewunsch

Weder das mit dem Pferd, noch das mit dem klitzekleinen Pony wurde etwas. Dafür bekam ich eine Tochter. Im Alter von 2 Jahren sammelte sie mit Vorliebe Regenwürmer. Mit 3 Jahren waren es die Weinbergschnecken. Ein Jahr später zogen bei uns ein: Meerschweinchen, Hasen, Katzen, Tauben, notleidende Amseln zum Peppeln und so weiter.

Doch Kinder werden größer und mit ihnen auch die Tierliebe und die Erwartung, in welcher Größe ein Haustier wohl perfekt sei. Beim Tochterkind war es erst die Kuh. Zugegeben, die wäre ja praktisch wegen der Milch. Doch Kuhfladen im Wohnzimmer. Nein!

Dann kam der vorige Sommerurlaub. Eine Radtour in Verbindung mit Camping-Urlaub. Also raus in die Natur und Dinge erkunden, die man in der Stadt nicht hat. In unmittelbarer Nähe war eine Pferdekoppel mit angebundenem Bauernhof.

Tagtäglich passierten wir die Pferdewiese und immer mussten wir anhalten, weil Tochterkind ihr Herz sofort an die Kaltblütler verschenkt hatte. Aus dem Urlaub nach Hause gekehrt, war die Hoffnung, sie würde den Wunsch nach einem eigenen Reitpferd bald vergessen vergebens.

Also machte ich mich auf die Suche, ob es irgendwo in der Nähe die Möglichkeit gäbe, die großen Tiere zu erleben. Mir ist schließlich dieser Wunsch alles andere als fremd. Nun steht ein ganzer Kanister mit Leinöl für Pferde für Pferde bei uns im Hausflur, weil es direkt um die Ecke einen Pferdehof gibt, wo die junge Dame täglich die geliebten Vierbeiner mit Leckeren verwöhnen kann.

Zwar sind wir keine Pferdebesitzer, aber können einen großen Teil unserer Freizeit der Pferdepflege widmen und so wurde zumindest ein Stückchen des Traums zur Realität.

Kinder brauchen den Umgang mit Tieren

Ob es meine eigene Kindheit ist oder die meiner Kinder. Tierliebe und der Kontakt mit Tieren ist für die Entwicklung absolut wichtig und auch notwendig. Jedes Kind baut eine besondere Bindung zu den Tieren auf. Tochterkind liebt die Pferdepflege und kümmert sich fürsorglich um die Meerschweinchengruppe.

Die Söhne toben gern mit Hunden und bespaßen tagtäglich die Katzen. Dabei lernen die Kids nicht nur, dass der Umgang mit tierischen Freunden großen Spaß bereitet, sondern sie übernehmen Verantwortung für andere Lebewesen.

Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Beileibe braucht man keine Pferde, um Kids das Zusammenleben mit Tieren zu ermöglichen, doch für uns ist beim Traumpferd das letzte Wort sicher noch nicht gesprochen.